Diese Fastenzeit: eine Zeit für Wunder.

Samstag, den 25. Februar 2017 um 13:15 Uhr Pfarrnachrichten
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Zumutung Aufbruch – Gen 12,1-4a/Mt 17,1-9,

Liebe Schwestern und Brüder in der Pfarrei St. Hippolytus!

Wozu Gott Abram auffordert, ist eine Zumutung. Er soll ja nicht bloß von A nach B ziehen, sondern fast alles verlassen, was sein Leben bisher ausgemacht hat: sein Land, seine Sippe. Anders als heute konnte dies den sozialen und, weil der Schutz der Sippe fehlte, den physischen Tod bedeuten. Was Gott vor tausenden Jahren von Abram forderte, kann uns nicht egal sein. Diese Zumutung gilt auch uns Christen heute.

Papst Franziskus, für den das Thema „Aufbruch“ eine große Rolle spielt, sagte im Juli letzten Jahres in einer Predigt im Petersdom: „Die Richtung, die Jesus angibt, ist aber eine Einbahnstraße: aus uns selbst hinausgehen. Es ist eine Reise ohne Rückfahrkarte. Es geht darum, einen Exodus aus unserem Ich zu vollziehen, das Leben für ihn zu verlieren, indem man dem Weg der Selbsthingabe folgt.“ Und weiter: „Jesus liebt „nicht die nur halb gegangenen Wege, die angelehnt gelassenen Türen, die zweigleisigen Leben. Er verlangt, sich unbeschwert auf den Weg zu machen, aufzubrechen unter Verzicht auf die eigenen Sicherheiten, allein in ihm verankert.“

Das Beispiel Abrams und die Worte des Papstes erschrecken. Das kann ich nicht. Wie soll ich das schaffen? Eine erste Hilfe finde ich in dem, was Gott zu Abram sagt: Dass er ihn zu einem großen Volk machen wird. Was könnte meine Verheißung sein, die mich losgehen lässt? Welche Hoffnung treibt mich an? Die zweite Hilfe ist das Versprechen Gottes, Abram zu segnen. Gott lässt ihn nicht alleine aufbrechen und gehen; er begleitet ihn. Abram schaut nicht auf sich selbst. Er schaut auch nicht nach vorne, ins Ungewisse, das ihn entmutigen könnte. Nein, er schaut nach oben, zu Gott.

 

Das ist ein Perspektivenwechsel. Ich blicke nicht auf den mühsamen, ungewissen, vielleicht gefährlichen Weg. Auch schaue ich nicht auf mich und meine Schwäche, vielleicht auf meine Widerstände. Nein, ich schaue auf Gott, ich lasse mich von ihm anziehen. Auch ich als Christ kann nicht stehen bleiben. Ich muss nicht mein Land verlassen, aber Grenzen überschreiten. Ich muss nicht meine Familie verlassen, doch neue Beziehungen knüpfen. Ich muss von mir weg auf Gott hin – denken, sehen, gehen. Kann ich das? Manchmal ja, manchmal nein.

Ich kann es aber immer wieder versuchen.

Die französische Philosophin Simone Weil (1909–1943) hat einmal bemerkt: „Wenn einer drei Schritte unternimmt aus dem ausschließlichen Verlangen, Gott gehorsam zu sein, so sind diese drei Schritte ein Wunder.“

Diese Fastenzeit: eine Zeit für Wunder.

Ihr Bernd Steinrötter, Pastor                                                 Foto: pfarrbriefservice.de