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Kirchensteuer

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Liebe Pfarreimitglieder,

in den letzten Monaten ist die Zahl der Kirchenaustritte erneut in einem ungewöhnlichen Maß angestiegen. Solche Trends, die wir ja leider häufiger erleben, sind natürlich vorrangig Ausdruck einer erheblichen kritischen Distanz vieler Katholiken zu unserer Kirche. Derzeit gibt es aber auch Anzeichen für eine Irritation, die mit einem neuen Verfahren der Kirchensteuer-Abführung bei der Kapitalertragssteuer zu tun hat. Darum liegt mir daran, Sie darüber zu informieren.

Von allen Einkünften eines Bürgers wird im Rahmen der Steuererklärung die Einkommensteuer festgesetzt. Zu diesen Einkünften zählen unter anderem Lohn und Gehalt, Mieteinkünfte, Einkünfte aus Gewerbe, aber auch Einkünfte aus Kapitalvermögen. Die Kirchensteuer wird von der dann insgesamt ermittelten Einkommensteuer berechnet. Sie beträg in NRW 9 % dieser Steuer.

Seit 1993 wird von den Kapitaleinkünften bei deutschen Banken und Sparkassen eine Zinsabschlagsteuer als Vorauszahlung zur Einkommensteuer und seit 2009 eine Abgeltungssteuer direkt einbehalten. Da die Kreditinstitute nicht wissen konnten, welcher Kirche ein Kunde angehört, so wurde die ebenfalls fällige Kirchensteuer nicht automatisch abgeführt. Jeder Bürger war aufgefordert, diese Steuer über die Einkommensteuererklärung nach zu versteuern (Anlage KAP). Dieses ist in der Vergangenheit nicht in jedem Fall geschehen.

Damit die auf die steuerpflichtigen Kapitalerträge anfallende Kirchensteuer (vielfach unwissentlich) nicht vergessen werden kann, werden ab 2015 nun die Banken und Sparkassen vom Gesetzgeber ermächtigt, die Daten zur Kirchenzugehörigkeit beim Finanzamt abzufragen und die Kirchensteuer ebenfalls direkt mit der Abgeltungssteuer und dem Solidaritätszuschlag abzuführen.

Hier folgt eine beispielhafte Berechnung für eine Einzelperson:

Kapitalerträge im Jahr: 1.249,00 €

abzüglich Freibetrag: 801,00 €

zu versteuernder Ertrag: 448,00 €

fällige 25 % Abgeltungssteuer 112,00 €     davon 5,5 % Solidaritätszuschlag 6,16 €    und     9,0 % Kirchensteuer 10,08 €

Die Kirchensteuer beträgt demnach bei 1.249,00 € Kapitalertrag insgesamt 10,08 €.

Hat ein Bürger einen niedrigeren Steuersatz als 25 % oder zahlt keine Einkommensteuer, so kann er sich auch die Steuern für den über den Freibetrag gehenden Betrag erstatten lassen. Um den Steuerabzug schon im Vorfeld zu verhindern, kann man sich z. B. eine Nichtveranlagungsbescheinigung ausstellen lassen.

Weitere Informationen können Sie auf der Internetseite des Bistums Essen www.finanzen.bistum-essen.de abrufen.

Ich halte es für wichtig, dass Sie über die entstandenen Irritationen informiert sind.

Ihr Wolfgang Pingel, Pfarrer