An diesem 1. Fastensonntag betrachten wir das werdende Leben – klein, verletzlich, angewiesen auf Schutz, Nähe und Liebe.

In den Gottesdiensten werdern wir hinschauen, hören und beten:

für das ungeborene Leben,

für alle Kinder, die gefährdet sind,

für alle, die Verantwortung tragen,

und für uns selbst, damit wir lernen, Leben zu achten und zu schützen.

Betrachtung

„Behütet im Dunkel“

Schauen wir einen Moment auf das Hungertuch.

Wir sehen kein fertiges Leben. Wir sehen einen Anfang. Zart. Verletzlich. Still.

Ein Embryo – verborgen im Dunkel,

angewiesen auf Schutz, abhängig von der Liebe anderer.

(Stille)

Dieses Bild spricht leise.

Es schreit nicht. Es fordert nichts. Und gerade deshalb berührt es.

In diesem kleinen Leben zeigt sich eine Wahrheit unseres Glaubens:

Leben beginnt nicht mit Leistung. Leben beginnt mit Beziehung.

(Pause)

Die Bibel sagt:

„Du hast mich gebildet im Schoß meiner Mutter.“

Noch ehe ein Mensch gesehen wird, ist er von Gott angeschaut.

Noch ehe ein Mensch sprechen kann, spricht Gott sein Ja über ihn.

(Stille)

Vielleicht denken wir beim Betrachten dieses Bildes an ungeborenes Leben, das gefährdet ist.

Vielleicht denken wir an Frauen, die Angst haben, überfordert sind, allein gelassen werden.

Vielleicht erkennen wir uns selbst: auch wir waren einmal so klein, so abhängig, so sehr auf andere angewiesen.

(Pause)

Dieses Hungertuch fragt uns nicht zuerst nach Antworten.

Es fragt nach unserem Herzen.

Wo schützen wir Leben?

Wo begleiten wir?

Wo sind wir bereit, Verantwortung zu teilen, damit Leben eine Zukunft hat?

(Stille)

Jesus stellt das Kleine in die Mitte.

Er geht nicht am Schwachen vorbei.

Er bleibt stehen.

Er sieht hin.

Er segnet.

(Pause)

Vielleicht ist das unsere Aufgabe heute:

hinzusehen,

still zu werden,

und neu Ja zu sagen zum Leben –

in all seiner Zerbrechlichkeit.

(Längere Stille – ca. 30 Sekunden)

Gott des Lebens, nimm unsere Stille an.

Lehre uns, Leben zu achten, wo es leise ist.

Und schenke uns den Mut, Hüterinnen und Hüter des Lebens zu sein. Amen.