„Unter deinen Augen stehe ich“ – unter diesem Leitgedanken stehen unsere Fastensonntage. An jedem Sonntag nehmen wir ein Element der Dornenkrone in den Blick, entdecken seine Bedeutung und fragen, was es uns heute – in unserem Alltag und in unserer Zeit – sagen kann.

Das Gesicht Christi ruht in der Mitte des Hungertuchs – ruhig, gesammelt, unausweichlich. Wohin ich mich auch wende, dein Blick folgt mir. Nicht kontrollierend, nicht anklagend, sondern wach. Gegenwärtig.

Die Augen lassen mich nicht aus. Sie holen mich zurück aus der Zerstreuung, aus dem Vorübergehen. Ich werde Betrachter – und zugleich Betrachteter. Dein Blick durchdringt die Fläche des Bildes und trifft mein Inneres: meine Fragen, meine Müdigkeit, meine Sehnsucht.

Das Hungertuch verhüllt und offenbart zugleich. Es nimmt dem Raum die Selbstverständlichkeit, macht ihn ärmer – und gerade dadurch ehrlicher. In der Reduktion wächst die Tiefe. Dein Gesicht spricht ohne Worte: von Leid, das getragen ist; von Liebe, die bleibt; von Hoffnung, die nicht laut sein muss.

In der Mitte des Bildes bist du – und plötzlich merke ich: Auch ich werde in meine Mitte gerufen. Dein Blick sammelt, was in mir zerstreut ist. Er richtet auf, ohne zu beschönigen. Er bleibt, auch wenn ich es kaum aushalte, gesehen zu sein.

Unter deinen Augen darf ich stehen. Nicht fertig. Nicht stark. Aber wahr.