Messdienergewand auf Bistumswallfahrt

Sonntag, den 30. Oktober 2016 um 08:10 Uhr Birgit Roth
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Ein Messdienergewand auf Bistums Wallfahrt Rom / Assisi Oktober 2016

Darf ich mich vorstellen: Ich bin ein weißes Messdienergewand mit Kapuze Größe II. Mein Zuhause ist der Schrank im Nebenraum der Sakristei in der Kirche Sankt Laurentius in Gelsenkirchen-Horst. Hin und wieder sonntags zieht mich ein Kind an, und dann sehe ich den Kirchraum, eventuell komme ich einmal im Jahr an Fronleichnam oder Palmsonntag an die frische Luft, wenn ich mit meinem Träger auf eine Prozession oder zu einer Palmweihe darf.

Am 02. Oktober 2016 konnte ich mein Glück kaum fassen. Vincenz kam und suchte ausgerechnet mich aus, damit ich ihn auf der Bistumswallfahrt nach Rom und Assisi begleite. Zunächst hing ich im Gästezimmer der Familie Roth und sah beim Packen zu. Endlich wurde ich zusammen mit einer weißen Kordel und der Messdienerplakette in einen Reise-Trolley gelegt. Es war noch stockfinster am Samstag, den 08.10., als wir mit dem Taxi zum Essener Hauptbahnhof fuhren. Der Trolley mit mir wurde in Bus 4 verstaut. Hier lag ich also für Stunden auf dem Stahl-Kreuz zu Ehren von Nikolaus Groß, welches der KAB-Diözesanvorsitzende Hermann-Josef Schepers, auch Reiseleiter unseres Busses, mitgenommen hat. Er war furchtbar nervös, ob er das Kreuz und die Banner in die römischen Basiliken hineinbekommt, wo doch die Sicherheitskontrollen mittlerweile sehr streng sind. Ich darf schon an dieser Stelle verraten, dass es Hermann-Josef und den Bischöfen gelungen ist die Carabinieri und Soldaten zu überzeugen.

Nach einer Zwischenübernachtung am Gardasee erreichen wir am Sonntag das Hotel in Rom. Raus aus dem Koffer, es ist angenehm warm, aber ich sehe nur das Hotelzimmer. Am Montag früh werde ich in den Rucksack verstaut. Vormittags werde ich durch die Vatikanischen Gärten getragen entweder von Vincenz selbst oder seinem Vater. Ich sehe zwar nichts, aber ich höre das Plätschern der zahlreichen Brunnen und die bewundernden Ausrufe der Mitreisenden. Dann wird es ungemütlich. Der Rucksack wird gestoßen und gequetscht. Wir kämpfen uns durch die Vatikanischen Museen zur Sixtinischen Kapelle. Die herrlichen Gemälde von Michelangelo kann ich nicht bewundern, aber das ehrfurchtsvolle Staunen der Besucher kann ich spüren.

Dann geht es zum Sammelplatz an der Engelsburg. Das Nikolaus-Groß-Kreuz und die KAB-Fahnen gehen uns voran auf dem Pilgerweg zum Petersdom und durch die Heilige Pforte. „Ein Haus voll Glorie schauet“ gesungen von 650 Pilgern aus unserem Bistum verhallt in der riesigen Kuppel über dem Petrusgrab.

WOW, ich bin in der Sakristei des Petersdoms. Ist der Raum riesig und prachtvoll. Im vorderen Hauptschiff mit Apsis und Cathedra Petri feiern wir Eucharistie, ein unvergessliches Erlebnis.

Am Dienstag werde ich zunächst wieder im Rucksack durch Rom getragen. Auf der Besuchsroute liegen die Kirchen San Giovanni in Laterano und San Pietro in Vincoli. In der Sakristei der Basilika Santa Maria Maggiore werde ich angezogen und erlebe einen emotionalen Gottesdienst und lausche dem Projektchor.

Zur Papstaudienz am Mittwoch werde ich nicht gebraucht und muss im Hotel bleiben. Na ja, dafür entschädigt die Vesper am Donnerstagnachmittag in der Basilika St. Paul vor den Mauern.

Nach dem Frühstück am Freitag fahren wir nach Assisi. Ein herrlich sonniger Tag und mir ist warm im Rucksack, der von Vincenz treppauf, treppab durch die Gassen der mittelalterlichen Geburtsstadt des Heiligen Franziskus und der Heiligen Klara getragen wird. Im Gewölbekeller einer Trattoria kann ich der Wärme etwas entfliehen. Am Spätnachmittag höre ich die Erläuterungen des Bruders Thomas zu den Fresken von Giotto in der Oberkirche. Begeistert macht er uns mit dem Leben und der Botschaft des Heiligen vertraut. Beim Abschlussgottesdienst kann ich die farblich reiche Malerei  auf mich wirken lassen. Der Weihrauch steigt auf und vermittelt ein Gefühl der Erhabenheit. Alle Pilger sind ergriffen und nach den Dankesworten von Bischof Overbeck an die Organisatoren und Mitwirkenden brandet Applaus auf.

Jetzt hänge ich wieder im Schrank, aber diese emotionalen Tage werde ich nicht vergessen.