Geschichte

Dienstag, den 09. Februar 2010 um 15:24 Uhr J├╝rgen Stockmann
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altKolpingsfamilie Buer-Beckhausen

 

Geschichte der Kolpingsfamilie Buer-Beckhausen

 

Aus der Erkenntnis der Not der Zeit, aus der Tiefe des eigenen Erlebens und aus der Sorge um seelische und soziale Bedrängnis der jungen katholischen Gesellen schuf Adolph Kolping sein Lebenswerk. Überall in der Welt wurde sein Ruf gehört. In der noch jungen Kirchengemeinde Buer-Beckhausen wurde 1926 der Kath. Gesellenverein gegründet. Junge Gesellen aus Beckhausen, die schon einige Jahre Mitglieder im Gesellenverein Buer-Zentral waren und andere Beckhauser Gesellen, die auf ihren Wanderfahrten die Gesellenvereine anderer Städte kennen und schätzen gelernt hatten, waren die Gründer.

Zur Gründungsversammlung fanden sich am 9. Februar 1926 insgesamt 63 Handwerksgesellen im späteren Vereins-Lokal Richter ein. Der erste Vorstand des Gesellenvereins wurde geleitet von

Pfarrer Welp war der erste Präses (1926–1928). Weitere Präsides waren in den folgenden Jahren die Kapläne Claes (1928), Hölscher (1928–1933), Poether (1933–1934) und Schäpers (ab 1934).

Mit der Arbeit im Geiste Adolph Kolpings nahm es der junge Gesellenverein sehr ernst. So künden die Annalen von einer regen Vereinstätigkeit; Versammlungen wurden alle 14 Tage abgehalten. Die Bemühungen hatten zum Ziel, nicht nur den mündigen Christen, sondern ebenso ernsthaft den verantwortungsbewussten Bürger und den beruflich tüchtigen Menschen zu formen.

Vorträge über religiöse Fragen, über Ehe und Familie sowie über staatspolitische Themen einerseits und Fachkurse (Rechnen, Rechtschreiben, Handwerker-Fortbildung u. a.) andererseits sollten zur Bewusstseinsbildung beitragen und den Gesellen Nutzen im beruflichen Alltag bringen. Manche Meisterprüfung war der äußere Erfolg dieser Arbeit.

Ein erster gesellschaftlicher Höhepunkt in der jungen Vereinsgeschichte war für 1927 geplant. In der Sitzung am 26. April 1927 hatte der Vorstand die Anschaffung einer Fahne für den Kath. Gesellenverein Buer-Beckhausen beschlossen. Die Vorderseite sollte auf blauem Grund das Bild des heiligen Joseph zeigen und die orangefarbene Rückseite vom Vereinsabzeichen geziert werden. Der Vorstand bewilligte hierfür den enormen Betrag von 600,00 Mark. Die Fahne wurde dann am 28. August 1927 im Rahmen eines ganztägigen Festes, das durch einen Festumzug gekrönt wurde, geweiht. Mit dem Festumzug demonstrierte der Kath. Gesellenverein Buer-Beckhausen Größe und Geschlossenheit in einer ersten öffentlichen Selbstdarstellung.

 

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Die Mitglieder des Gesellenvereins erhoben auch den Tag der Bannerweihe zu einem Ereignis. Sie widmeten diesem Anlass am Sonntag, dem 10. August 1930, ein groß angelegtes Fest. Es wurde eingeleitet mit einer Gemeinschaftsmesse, in deren Verlauf der Präses des Gesellenvereins, Herr Kaplan Hölscher, die Bannerweihe vornahm. Das Banner zeigt ein schwarzes K auf orangefarbenem Grund; es wurde weltweit zum Emblem für das Kolpingwerk. Dagegen hatte die vorerwähnte Fahne nur rein örtliche Bedeutung. Sie stellt symbolhaft eine Beziehung zwischen Kirche und Verein her.

In den ersten Jahren, speziell zu Beginn der 30er Jahre, wurde die Vereinsarbeit zunehmend mehr durch die Arbeitslosigkeit erschwert. Im Vereinsbericht aus dieser Zeit steht, dass am 01.01.1931 von 41 aktiven Mitgliedern 24 arbeitslos gewesen seien, das waren fast 60 Prozent. Auch wurde das Wachsen des Gesellenvereins ab 1933 durch die zerstörenden Methoden und Bestimmungen der nationalsozialistischen Machthaber sehr gehemmt. Von da an wurde es zunehmend schwieriger, die Kolpingarbeit weiterzuführen.

Im Jahre 1945 stand noch alles unter dem Eindruck des furchtbaren Zusammenbruchs. Nach und nach kehrten die Kolpingbrüder in die Heimat zurück. Erst im Jahre 1946 hatten die Kolpingbrüder wieder den Mut, neu anzufangen. Am 18. August 1946 fand die erste Versammlung der Kolpingsfamilie Buer-Beckhausen auf Betreiben von Franz Hartwig und Theo Baumeister statt, zu der eine Reihe von Altmitglieder und Jungmänner erschienen waren. Hier erfuhren sie auch, dass trotz aller Verfolgung und Zerstörung sowohl das Fahnentuch als auch das Banner der Kolpingsfamilie Buer-Beckhausen gerettet waren. In den provisorischen Vorstand wurden Franz Hartwig und Willi Lindemann gewählt. Als Präses wurde Kpl. Hülsmann vorgeschlagen. In der Versammlung am 8. Oktober 1946 konnte mit einer stattlichen Zahl die junge Kolpingsfamilie gebildet werden. Zum Vorstand gehörten

Bei der ersten Generalversammlung am 4. Februar 1947, an der 46 Mitglieder teilnahmen, wurde der Vorstand wiedergewählt. 1949 übernahmen Willi Kempken als Senior und Paul Göritz als Altsenior die Leitung der Kolpingsfamilie Buer-Beckhausen.

Anlässlich der feierlichen Grundsteinlegung für den Neuaufbau der im Kriege zerstörten Kirche am 12./13. August 1951 feierte die Kolpingsfamilie Buer-Beckhausen im Festzelt auf dem Kirchplatz und mit einem Festumzug ihr 25-jähriges Bestehen. Gleichzeitig feierte man das 60-jährige Bestehen des Kath. Arbeitervereins. In ihrem Grußwort zum „Jubelfest“ schreiben die Präsides der Kolpingsfamilie Kpl. Hülsmann und des Arbeitervereins Pfarrer Eiter: „Die beiden Jubiläen in Beckhausen sind im großen Weltgeschehen sicherlich nur ein kleines Ereignis. Aber es ist ein Ereignis das Zeugnis ablegt für den Aufbau einer besseren Welt inmitten einer Zeit der Verwirrung. Darum nehmen weite Kreise der Beckhausener Bevölkerung lebendigen und freudigen Anteil an diesen Jubiläumsfeiern.

Nach einem regnerischen Vormittag klarte der Himmel am 12. August gegen Mittag auf. Es gab strahlenden Sonnenschein, als die Vereine aus Beckhausen und aus der näheren Umgebung am frühen Nachmittag Aufstellung zu dem Festzug nahmen. Einen so großen und schönen Festzug hatte Beckhausen wohl vorher noch nicht erlebt. An ihm nahmen die Teilnehmer in ihren Zunftkleidern, ferner Wagen, Fahnenabordnungen sowie Musikkapellen teil. Die Festwagen waren mit viel Liebe und Fleiß von den Handwerkern gestaltet worden; kein Handwerkszweig fehlte.

Bilder, die während des Festumzuges von dem Kolpingbruder Johann Lüneburg gemacht wurden, befinden sich am Ende dieser Chronik.

Weitere Präsides waren in den folgenden Jahren die Kapläne Stürwald (1952–1954), Barenborg (1954–1959), Bredenbrock (1959–1960), Kappenberg (1960–1964) und Siegers (1965–1966). In den Jahren von 1967 bis 1971 hatte die Kolpingsfamilie Buer-Beckhausen keinen Präses.

altDer Kolpinggedenktag am 5. Dezember 1970 war ein vereinsgeschichtlich bedeutender Tag. Zum ersten Mal wurden 10 Frauen als Mitglieder in die Kolpingsfamilie Buer-Beckhausen aufgenommen. Mit Liesel Rademacher wurde in der Generalversammlung am 29. Januar 1971 eine Frau als Schriftführerin in den Vorstand gewählt. Am 4. März 1972 beschloss die Generalversammlung auch für die Kolpingsfamilie Buer-Beckhausen die Zusammensetzung des Vorstandes nach den neuen Ortsstatuten; diese kennen nicht mehr die Leitungsfunktionen Senior und Altsenior. Mit dem Ziel, der Zeit angepasste leistungsintensive Führungsgremien zu schaffen, gehörten dem Vorstand zukünftig an: die/der 1. Vorsitzende, der Präses, die/der Schriftführer/in, die/der Kassierer/in und die Leiterinnen und Leiter der Alters- und Sachgruppen (Arbeit und Beruf, Ehe und Familie, Gesellschaft und Politik, Kultur und Freizeit, Erwachsene). Nach langer, präsesloser Zeit erklärte Pfarrer Otto Penter auf Wunsch der Versammlung seine Bereitschaft, das Amt des Präses in der Kolpingsfamilie zu übernehmen.

Die Kolpingsfamilie wuchs bis zum 50. Jubiläum im Jahre 1976, welches festlich gefeiert wurde. Die Verbandschronik erwähnt mit Dank und Respekt die Anwesenheit von fünf Mitgliedern der Gründerzeit; von links nach rechts: Franz Königsdorf, Willi Haltermann, Josef Laskowski, Theo Baumeister und Heinrich Unterstenhöfer.

Der Vorstand bestand zu dieser Zeit aus 12 Mitgliedern unter Vorsitz von Willi Dörnemann.

 

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Um die Nachwuchsarbeit zu fördern, wurde im Jahre 1976 die Gruppe Jungkolping gegründet. Zahlreiche junge Menschen, die damals aufgenommen wurden, sind noch heute Mitglieder der Kolpingsfamilie. Im gleichen Jahr bildete sich auch die Seniorengruppe aus Mitgliedern, die aus dem Arbeitsleben ausgeschieden waren.

Die Aktivitäten, die derzeit die Arbeit in unserer Kolpingsfamilie Buer-Beckhausen kennzeichnen, sind sehr vielseitig: Wandertage, Ausflüge, religiöse und gesellschaftspolitische Vorträge, Besichtigungen, die jährlich stattfindende Karnelvalsfeier, das Josefschutzfest sowie der Kolpinggedenktag. Die seit 1980 durchgeführten Vogelstimmenwanderungen erfreuen sich nach wie vor großer Beliebtheit bei Mitgliedern und Gästen. Dieses gesellschaftliche Frühjahrsereignis blickt auf ein nunmehr fast 30jähriges Bestehen zurück.

Die Männer und Frauen der Kolpingsfamilie Buer-Beckhausen haben stets im Blick, dass ihre Arbeit nicht allein den vereinsinternen Bedürfnissen dienen kann. Sie stellen ihre Zeit und Kraft ebenso in den Dienst der Gemeinde und lassen ihr praktische Hilfe vielfältiger Art zukommen: Mitarbeit und Organisation bei den Pfarrfesten, Ordnungsdienst bei der Erstkommunion und Firmung, Mitarbeit in den kirchlichen Gremien (Kirchenvorstand, Pfarrgemeinderat und Liturgieausschuss), Mitarbeit bei Renovierungsarbeiten in der Kirche und im Pfarrheim. Des Weiteren sind Kolpingmitglieder auch ehrenamtlich tätig in Selbstverwaltungsorganen wie Handwerkskammern, Krankenkassen oder Rentenversicherungsanstalten.

Nach dem Tode von Präses Pfarrer Otto Penther im Januar 1986 wurde Pfarrer Otto Sobiech als sein Nachfolger im Amt des Präses gewählt.

Aus Anlass der Seligsprechung von Adolph Kolping im Jahre 1991 durch Papst Johannes Paul waren 30 Mitglieder nach Rom gereist.

An einer Besichtigungs- und Bildungsreise nach Rom und Umgebung nahmen im Jahre 1998 50 Mitglieder der Kolpingsfamilie teil. Eine etwa gleich große Schar reiselustiger Mitglieder erfreute sich 1999 an der südböhmischen Landschaft (Standort: Budweis) und den dortigen Baudenkmälern sowie anschließend an Prag. Die Tradition der Reisen wird noch immer aufrecht erhalten und erfreut sich nach wie vor großer Beliebtheit.

Das 75jährige Bestehen der Kolpingsfamilie Buer-Beckhausen im Jubiläumsjahr 2001 wurde mit einem Hochamt mit musikalischer Mitgestaltung von der Chorgemeinschaft Liebfrauen Beckhausen und einem Festakt im Pfarrheim – ebenfalls von der Chorgemeinschaft musikalisch begleitet – würdig gefeiert.

altDer Vorstand der Kolpingsfamilie Buer-Beckhausen bestand im Jubiläumsjahr 2001 aus den Mitgliedern (auf dem Bild von links): Herbert Basilowski, Präses Otto Sobiech, Elsa Unterbarnscheidt, Herbert Schlichtinger, Gisela Hensel, Erwin Janberger, Heinrich Lienemann, Marlies Behlau, Matthias Ingenerf, Margret Janberger, Jürgen Behlau und dem Vorsitzenden Alfons Lösing.

Geleitet wurde die Kolpingsfamilie Buer-Beckhausen bis 1994 von Willi Dörnemann. Ihm folgte im Jahre 1995 Jürgen Behlau. Seit 1996 führte Alfons Lösing den Vorsitz, sein Stellvertreter war Jürgen Behlau.

Im Ende August 2009 ging Pfarrer Otto Sobiech in den wohlverdienten Ruhestand und verließ Beckhausen in Richtung Bottrop. Seine Amtszeit endete daher im Dezember 2009. Im Jahre 2010 blieb das Amt des Präses vakant.

In der Generalversammlung am 16. Januar 2011 wählten die Mitglieder den neuen Pastor der Liebfrauen-Kirchengemeinde, Pastor Bernd Steinrötter, zum Nachfolger im Amt des Präses. Jürgen Behlau legte aus gesundheitlichen Gründen sein Amt als stellvertretender Vorsitzender nieder. Als Nachfolger in diesem Amt wurde Willi Drochtert gewählt.

Die Kolpingsfamilie Buer-Beckhausen fühlt sich jetzt und auch künftig dem Werk Adolph Kolpings verpflichtet und wird aufgeschlossen sein für die Fragen der Gegenwart, damit die Antworten gelingen, die wegweisende Orientierung sind für eine glückliche Zukunft.

Der Vorstand der Kolpingsfamilie besteht seit 2011 aus folgenden Mitgliedern:

 

Treu Kolping

 

Bilder vom Festumzug anlässlich der Jubilarfeier aus dem Jahre 1951 von Johann Lüneburg:
 

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