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Flüchtlinge
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Aktive Flüchtlingshilfe in Karnap

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In Karnap schlugen die Wogen hoch, als in der Öffentlichkeit bekannt wurde, dass im Mathias-Stinnes-Stadion an der Arenbergstraße 700 Plätze für Flüchtlinge in einem Zeltdorf geschaffen werden sollen. Schon während im Stadion Bauarbeiten begannen, bildete sich in Karnap der Runde Tisch – Flüchtlingshilfe. Vertreter der verschiedensten Vereine, Kirchengemeinden und Parteien sowie Interessierte aus Karnap trafen sich, um sich auszutauschen und Hilfe für die Flüchtlinge im Karnaper Zeltdorf zu organisieren.

Der Tenor der ersten Treffen des Runden Tisches (© der Bilder) war schnell deutlich:

Die Absicht der Stadt Essen 700 Menschen unterschiedlichster Nationalitäten, Volksgruppen, Religionen und damit auch verschiedenster Sprachen auf so engem Raum für längere Zeit unterzubringen, führte zu hoher Besorgnis für die Flüchtlinge als auch für die Karnaper. Allerdings waren sich die Mitglieder des Runden Tisches ebenso sofort einig mit dieser Besorgnis proaktiv umzugehen. Ein Moderatorenteam fand sich zusammen: A. Bremicker (Pastorin der evang. Gemeinde Karnap), H. Tschüter (ehem. Leiterin der Hauptschule Karnap,), B. Hiegemann (Vorsitzender des GR der kath. Gemeinde Laurentius/Marien) und M. Schwamborn (Vorsitzender Mietervereinigung Karnap-West).

Der Runde Tisch gründete als nächsten Schritt, um differenzierter arbeiten zu können sechs verschiedene Arbeitsgruppen:

  • AG Orientierung im Stadtteil
  • AG Kleiderkammer
  • AG Sprache (Deutschunterricht/Dolmetscherhilfen/Hilfen bei Behördenbesuchen)
  • AG Freizeitangebote
  • AG Sportangebote
  • AG Begrüßungsfest

Als erste Aktion des Runden Tisches sollt in der Folge ein Begrüßungsfest stattfinden, welches aber zunächst nochmals verschoben werden musste da auch die Belegung des Karnaper Zeltdorfes sich noch später in das Jahr verschob. Erst Ende November ging es los und täglich trafen neue Flüchtlinge ein. Die meisten aus Syrien, Irak und Afghanistan aber auch aus Iran, Pakistan, Bangladesch und Eritrea. Anfang Dezember wurde die Zahl der angekommenen Flüchtlinge angeben mit 274 Personen, davon 83 Kinder und Jugendliche. 43 Kinder davon noch nicht im Grundschulalter. Gleichzeitig ließ die Stadtverwaltung Essen mitteilen, dass nur eine Belegung bis zu 400 Personen für das Zeltdorf vorgesehen ist.

Am 12.12.2015 konnte dann auch des Begrüßungsfest des Runden Tisches stattfinden. Ziel des Nachmittags war, die Flüchtlinge in Karnap willkommen zu heißen und verschiedene Angebote im Stadtteil aufzuzeigen. Denn das größte Problem im Zeltdorf ist die fehlende Beschäftigung. Wir wurden sowohl von den Verantwortlichen als auch den Flüchtlingen sehr freundlich empfangen. Ein großes Kuchenbüffet wurde aufgebaut und nach dem Eindecken der Tische mit Obst und Nüssen, ging es auch gleich los. Das Zelt war in kürzester Zeit bis auf den letzten Platz gefüllt. Begrüßt wurde mit einer Ansprache auf Deutsch und einer auf Arabisch, hinterher gab’s ein buntes Bühnenprogramm für die Asylsuchenden. In recht kurzer Zeit haben die sechs Arbeitsgruppen des Runden Tisches mit der Hilfe anderer Stadtteilakteure einiges auf die Beine gestellt.

Die Gruppe ‚Orientierung im Stadtteil‘ organisierte eine Begehung Karnaps, unter anderem werden Ärzte, Parks und Einkaufsmöglichkeiten besucht. Die Gruppe Freizeitgestaltung stellte ihre Ideen vor. Auf dem Plan stehen beispielsweise Veranstaltungen im Bürgerpark oder im Unperfekthaus, Bastel-, Strick- und Nähangebote, Spielgelegenheiten auf dem Hof der Maria-Kunigunda-Schule oder Besuche der Hallenpartien der Assindia Cardinals. Längst ein Intergrationsstandard sind Sportangebote, TV Karnap und FC Karnap laden zu Turnen, Aikido und Fußball ein. Schließlich bieten Ehrenamtliche des Runden Tisches auch Sprachkurse an. Das Wochenprogramm wird sich in Kürze noch herauskristallisieren.

Bei der persönlichen Begegnung mit den Flüchtlingen wurde das größte Problem schnell offensichtlich. Es sind nicht die Enge, die eher einfache Unterbringung oder die ungewohnte fremde Ernährung. Die große Ungewissheit, wie es mit ihnen weitergehen soll, belastet die Flüchtlinge mit Abstand am meisten. Viele der Erwachsenen erklären auch, dass sie für ihre Kinder geflohen sind, um ihnen Bildung und eine Zukunft erarbeiten zu können. Dies sei zu Hause nicht möglich. Dann fällt ihnen ein, das Zuhause gibt es nicht mehr.

Viele Gedanken, die uns vom Runden Tisch tief berührten und auf jeden Fall darin bestärken weiter zu tun, was uns möglich ist.

In diesem Jahr trifft sich der Runde Tisch Karnap regelmäßig, jeweils am ersten Dienstag des Monats, in der evangelischen Kirche in der Hattramstraße. Startschuss war also der 5. Januar, das nächste Treffen ist am 2. Februar. Geplant sind die Sitzungen von 20 bis 21.30 Uhr: „Jeder kann mitmachen!“

 


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